Requirements Interchange Format Standard

ReqIF ist die Abkürzung für: "Requirements Interchange Format" dient als Container für Anforderungen, der den einfachen Import und Export von Anforderungen zwischen verschiedenen Anforderungsmanagement-Tools wie IBMs DOORS classic und DOORS Next, aber auch Siemens Polarion und vielen anderen ermöglicht.

Historie von RIF und ReqIF

Im Jahr 2001 gründeten die großen deutschen Automobilhersteller (Volkswagen, Daimler-Chrysler, BMW, Audi, Porsche) die HIS (Herstellerinitiative Software). Die Aufgabe der HIS war es, standardisierte Anforderungen an Prozesse und Komponenten aus dem Bereich der automobilen Softwareentwicklung zu etablieren. Unter anderem wurde die Arbeitsgruppe "Requirements Management" gegründet, die sich mit der Problematik des Anforderungsaustausches beschäftigt.

 
Diese Arbeitsgruppe hat im Jahr 2004 die erste Version des RIF-Standards (Requirements Interchange Format) veröffentlicht. In der Zwischenzeit (2020) wurde dieser Standard zur Weiterentwicklung an die OMG (Object Management Group) übergeben. Auch der Name wurde aufgrund einer Doppelbelegung vom früheren RIF in ReqIF geändert. Ansonsten hat sich die Grundform dieses Standards seit der ersten Veröffentlichung nur unwesentlich verändert.
Was bietet der ReqIF-Standard im Vergleich zu Office-Dokumenten?

 

  • Eine standardisierte Metastruktur zur Übertragung von Anforderungen von einem RM-Tool zu einem anderen. Wenn die ReqIF-Implementierung eines Anbieters mit dem Standard konform ist, kann der Austausch auch zwischen verschiedenen Anbietern erfolgen.
  • Jedes RM-Tool verwaltet die Zuweisung von Anforderungs-IDs auf seine eigene Weise. Aus diesem Grund definiert der Standard eine GUID (Globally Unique Identifier), die jedes Element und jede Definition innerhalb der ReqIF-XML-Struktur eindeutig identifiziert. Im Falle eines Imports oder Exports ordnet das RM-Tool seine eigenen internen IDs den GUIDs zu.
  • Die ReqIF kann verwendet werden, um einen Schreibzugriff auf bestimmte Attribute zu definieren. Auf diese Weise kommt es nicht zu Konflikten, wenn die Daten beim Re-Import wieder zusammengeführt werden müssen.
  • Durch die GUIDs, Zeitstempel und den Schreibschutz sind die RM-Tools in der Lage, bestehende Anforderungen über ReqIF zu aktualisieren.
  • Über ReqIF können verschiedenste Austauschszenarien realisiert werden (Einwegübertragung, Roundtripping, Änderung der Datenstruktur während eines Roundtrips,...)

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Anforderungsaustausch mit Hilfe von ReqIF durchzuführen. Zwei der am häufigsten verwendeten Szenarien werden hier kurz beschrieben.

ReqIF Exchange Szenario Nr.1

Der OEM definiert verschiedene Attribute, die vom Lieferanten bearbeitet werden müssen (z.B. Kommentar, Status,...). Anschließend sendet er das Dokument per ReqIF an den Lieferanten. Der Lieferant importiert das Dokument in sein RM-Tool, bearbeitet alle gewünschten Attribute und schickt das Dokument zurück. Auf Seiten des OEMs werden die Änderungen des Lieferanten in das Originaldokument zurückübertragen.

ReqIF Exchange Szenario Nr.2

Der OEM definiert verschiedene Attribute, die vom Lieferanten bearbeitet werden müssen (z.B. Kommentar, Status,...). Anschließend sendet er das Dokument per ReqIF an den Lieferanten. Der Lieferant importiert das Dokument in sein RM-Tool, bearbeitet alle gewünschten Attribute und erstellt seine eigenen Spezifikationen, die auf den OEM-Anforderungen basieren und mit diesen verknüpft sind. Nun fügt der Lieferant seine verknüpften Spezifikationen dem ReqIF hinzu und sendet alles zurück an den OEM. Auf der Seite des OEM werden die bearbeiteten Attribute zurück in das Originaldokument übertragen. Außerdem werden automatisch Kopien der Lieferantenspezifikationen erstellt und mit den OEM-Anforderungen verknüpft.